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Vom Königshof zu den Stätten der Kunst

|   Broschüre

Zu den ältesten Familien Westfalens gehört die Familie Selhorst, die heute seit über 100 Jahren auch in Nordhagen, jetzt Stadt Delbrück beheimatet ist. Vor kurzem konnte 1200jähriges Jubiläum gefeiert werden, und das unter dem ursprünglichen Namen „Selhorst“, der „zum Herrenhof gehörig – Königshof“ bedeutet und als solcher bedeutende Spuren in seiner wechselvollen Geschichte hinterlassen hat. Bereits in sächsischer Zeit gab es unter Herzog Wittekind einen Sattelmeierhof am Kleinen Hellweg, dem das Recht zustand, zu den berittenen Gefolgsleuten des Heerbanns zu zählen.  

Dieser Urhof wurde dann mit der Taufe Wittekinds im Jahre 785 christlich und zählte als Königshof zu den wichtigsten Stützpunkten im Reiche Karls des Großen. Im heutigen Langenberg, vor allem in dessen Bauerschaft Selhorst, erinnert noch so manches an das Selhorst-Geschlecht, von diesem ausgehend und sich verzweigend aber auch in weiten Teilen Westfalens und sogar der Welt, vor allem in Südafrika und Nordamerika, wo der Name Selhorst ebenfalls zu finden ist.

Immer wieder taucht dieser Name in der vor allem westfälischen Geschichte auf: bereits 890 bei einem Selhorst-Hof bei Lüdinghausen. 1080 in einem Höferegister von Herzebrock und 1185 bei der Gründung des bedeutenden Klosters Marienfeld. 1240 erscheint der Selhorst-Hof in Langenberg im Tafelgutregister des Bischofs von Osnabrück. In Urkunden des 13 Jahrhunderts werden unter anderem genannt ein  Henricus des Selhorst, ein Nithungius, ein Egbert und ein Everhardus de Selhorst.

Schwere Zeiten durchstehen mußte die Selhorstfamilie im 30jährigen Kriege und auch im vorigen Jahrhundert, als der bedeutende, zeitweilig mehrere tausend Morgen große Langenberger Hof in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet und schließlich geteilt wurde, wobei der Kern des Urhofes aber in Familienbesitz, heute Familie Heimann, blieb.

Noch vor gut 20 Jahren stand bis zur Neuordnung des Schulwesens an der Selhorster Straße in Langenberg eine wenig gegliederte Schule namens Selhorst. Kultureller Schwerpunkt der Gemeinde ist seit vielen Jahrzehnten auch der Quartettverein Selhorst, der mit seinen Weisen und Liedern immer wieder die Menschen erfreut.

Mehrere Mitglieder der Selhorstfamilie wurden geadelt, und zwar von Friedrich dem Großen und dem König von Sachsen. Der Adelstitel aber wird hierzulande nicht mehr geführt, wohl aber das Familienwappen, das außer der Devise „Mergor non submergor“ zwei Adler, fünf Ähren und drei Sterne zeigt.

Die Selhorster der Gegenwart verschrieben sich der Kunst und der Pädagogik. Der Kunstschreiner Franz Selhorst (1845 – 1899 siedelte sich nach seiner 1872 erfolgten Heirat mit Anna, geborene Selhorst, 1879 in Nordhagen als Neubauer an und erbaute hier mit seinen Söhnen Hermann und Franz aus dem Holz der im benachbarten Westenholz gestandenen Notkirche eine Werkstatt, in der Möbel für Haus und Heim gefertigt und mit sinnreichen Sprüchen versehen wurden und bereits um 1900 mehrere Einwohner ihr Brot verdienten. Doch bald erging der Ruf in das nahe Städtchen Rietberg, wo eine goldene Zukunft schien.

An der Bahnhofstraße, heute Rietberg-Werke, wurde 1920 neben einem Wohnhaus eine „Werkstatt für christliche Kunst“ gebaut, wo dann Kruzifixe, Statuen, Kommunionbänke, Kanzeln und Altäre geschnitzt wurden. Bereits mit 22 Jahren hatte Hermann Selhorst im Jahre 1899 seine erste Kommunionbank gezeichnet und auch gefertigt, und zwar für die Franziskanerkirche in Rietberg.

Nach erfüllten Jahren kam aber mit dem 1. Weltkrieg der Stillstand, weil die Männer des Betriebes allesamt ins Feld nach Rußland ziehen mußten. Danach aber gab es einen Neubeginn, und zwar wieder in Nordhagen, wo 1922 eine Werkstatt eingerichtet wurde in einem Fachwerkhaus, wo dann wieder emsig gearbeitet werden konnte. Von hier aus gingen wiederviele Kunstwerkke ins Land, sogar damals schon nach Südafrika, wo bald in der deutschen Botschaft in Kapstadt eine Truhe stand, die Hermann Selhorst aus Nordhagen geschnitzt hatte.

Doch das Schicksal schlug bald wieder zu. Nach Franz (1929) ging auch Hermann Selhorst (1931) aus dieser Welt. Beide wurden auf dem Friedhof in Delbrück beigesetzt. Hermann hinterließ neben seiner Frau neun unmündige Kinder.

Doch das Haus in Nordhagen, das als Bildhauerwerkstatt und durch Musik und Gesprächskreise weithin auch kultureller Mittelpunkt gewesen war, wurde bald wieder mit neuem Leben erfüllt, und zwar von den heranwachsenden Kindern, die das kostbare Vätererbe weiterzutragen hatten in eine Zukunft, die nicht immer leicht war, aber gemeistert werden mußte getreu dem Wappenspruch der Familie: Mergor, non Submergor! Wenn es auch einmal schwer werden soll, untergehen darf man nicht! Auch die Kunst lebt weiter in der Familie, und das mit unverminderter Kraft wie schon über ein Jahrhundert lang.

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Das Wappen der Familie Selhorst
Das Wappen der Familie Selhorst zeigt außer der Devise „Mergor non submergor“ zwei Adler, fünf Ähren und drei Sterne.